IRIMI


Oft wird Kata als eine Aneinanderreihung grundschulmäßiger Techniken ausgeführt.

Das ist nach meiner Auffassung nicht der Zweck der Kata im Lehrsystem der JKA.

Hier hat Kata keinen Selbstzweck. Anders als im Kihon (vor und zurück) werden in der Kata acht Bewegungsrichtungen praktiziert.

Die Kata bietet die Möglichkeit, das direkte Eindringen in das Zentrum des Gegners (IRIMI) zu üben.

Wichtige Details wie die Ausführung ansatzloser Techniken kann man hier für ein starkes freies Kumite perfektionieren.

Dazu beobachte ich seit vielen Jahren das Training in Japan, führe Fachgespräche und fokussiere mein eigenes Training in diese Richtung.

Ich halte das IRIMI für ein prägendes Bewegungsmuster und eines der grundlegenden Kampfstrategien im JKA-Shotokan-Karate. Insbesondere die Kata bietet dazu vielfältige Übungsformen an. Das eigentliche IRIMI-Training ist dann eine Partnerübung, die man zuvor in der Kata ohne Partner präzisiert.

Kataausführungen, die dieses Prinzip missachten, halte ich im Lehrsystem für fehl am Platze, denn sie führen nicht zum Ziel, wenn man dem Weg der Shotokan-Schule und insbesondere dem JKA-Karate folgen will.

 

Dazu einen Auszug aus „Shotokan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen“, Henning Wittwer, 2007, Seite 111:

 

"Laut Kase Taiji und Shirai Hiroshi, ist das schnelle Überbrücken einer großen Distanz zum Gegner ein Charakteristikum der Shotokan-Linie, welchen dem Jigen-Ryu entlehnt sein soll. … Darüber hinaus streben die Bewegungen des Jigen-Ryu, die stets angreifenden Charakter haben, nach vor. Ganz ähnlich zeigen die Kata des Shotokan-Ryu selten ausweichende und zurückweichende Bewegungen (Anm. Thomas Frommer: bei Richtungswechsel in den Kata - außer 11. Bewegung in Hangetsu) was auf der einen Seite als Vereinfachung und somit Lernhilfe gedeutet werden kann oder auf der anderen Seite als grundlegende Kampfstrategie dieser Schule."

 

 

Ich bevorzuge die letzte Alternative als Erklärungsmuster.


  • Als "Pressefotograf bei der Arbeit" auf der JKA-WM im Budokan, Tokyo 2014
  • Nach dem Training im Honbu Dojo der JKA, Tokyo Bunkyo-ku, 2014
  • 2011 vor dem Ozumo-Tachi-ai mit Ogata Sensei